Ja, Neurodermitis ist zum kotzen. Vor allem, wenn du sie im Gesicht hast und der ganzen Welt zeigen musst. Doch es gibt Hoffnung!

Was ist Neurodermitis & Was bedeutet es mit Neurodermitis zu leben?

Neurodermitis ist ein ekzemartiger Hautausschlag, der einen durch starken Juckreiz  sowohl psychisch als auch physisch an die eigenen Grenzen treibt. Bei mir war der Juckreiz teilweise so stark, das ich mir die trockenen Hautpartien blutig gekratzt hatte. Das sah nicht nur unschön aus, sondern war hauptsächlich wirklich sehr schmerzhaft. Sich die eigene Haut vom Leib zu kratzen ist alles andere als witzig. Ich denke jeder, der weiß, wie es sich anfühlt, von diesem niemals endenden Kreislauf aus Juckreiz und Schmerzen, in den Wahnsinn getrieben zu werden, stimmt mir zu: “So kann es nicht weiter gehen!” Meine verzweifelten Schreie während ich dem befriedigenden Schmerz des Kratzens nachgab, klangen wie indianisches Kriegsgebrüll vor einer Schlacht. Doch kurz bevor ich die Schlacht gewann, war sie auch schon wieder vorbei. Was blieb waren Klageschreie, Tränen und Schmerz. Immer wieder fand ich mich erschöpft im Bett liegend. Zusammengekauert wie ein Baby, meine schwitzigen Hände gegen meine Wunden gepresst und fragte mich, wieso ich eigentlich so weiter lebe. Das will ich nicht ertragen müssen.
Und wenn mir Nachts das Glück zuteil wurde den Schlaf zu finden, dann währte es nicht lange. Ein paar Stunden… manchmal auch nur eine halbe Stunde und ich wachte auf. Die Schmerzen rissen mich aus dem Schlaf, weil ich unterbewusst im Schlaf dem Juckreiz nachgegeben hatte. Was für ein Leben.

Ich brauchte Hilfe.

Klingt erst einmal einfach. Doch nach zahllosen Arztbesuchen und zahllosen Cremes (ich war sogar mal eine Woche im Krankenhaus) und keiner Besserung war ich an einem Punkt angelangt, wo Hoffnungslosigkeit drohte. Nichts half so wirklich. Und den Ärzten war es eigentlich auch egal. Sie testeten alles mal was sie in ihrem Medizinschrank hatten und das wars. Sie mussten ja nicht damit leben. Ich bin nicht wütend auf sie, sie wussten einfach nicht weiter. Ebenso wie ich.

Wo hatte ich Neurodermitis und in welchem Alter?

Mit 1 1/2 Jahren, ich war noch ein Baby, hatte ich den Ausschlag an den Handgelenken. Irgendwann verschwand er wieder.

Mit 14 Jahren, ich ging auf das Gymnasium, bekam ich es dann wieder. Am linken Arm und dann auch im Gesicht. Somit konnte mir jeder mein Leid ansehen, auch Menschen, denen ich es lieber nicht gezeigt hätte. Aber wie heißt es so schön: Du kannst dich nicht verstecken. Erst wusste ich nicht, womit ich es zu tun hatte, aber wie sich herausstellen sollte, hatte ich 6 Jahr Zeit, es heraus zu finden.

Wie heilt man Neurodermitis? Das habe ich in 6 Jahren gelernt.

Für mich habe ich heraus gefunden, dass Neurodermitis nur einen Ursprung haben kann. Das ist die Psyche. Bei manchen Menschen äußert sich Stress, Unglück und ein geistig ungesunder Lebensstil (aka Depression) über die Haut. Das kann zu Pickeln, Ekzemen oder eben auch zu Neurodermitis führen. Was genau die Ursache ist (auch evtl. deine) muss jeder für sich selbst herausfinden. Bei mir war es das Gefühl unfrei und gefangen zu sein. Nicht tun zu können was ich will + Depression von Schul”Zwang”.
Dann kam der Zeitpunkt meines Abiturs. Ja, ich habe tatsächlich so lange durchgehalten und neben mir tun es jeden Tag aufs neue Tausende Schüler. Ich bin aufgebrochen nach Australien, noch bevor ich mein Zeugnis in der Hand hielt. Ich wollte Reisen; wollte nicht anderer Menschen Erwartungen erfüllen müssen; wollte selbstbestimmt leben!
Dort angekommen – ich landete in Darwin – vergingen ca. 3 Tage. Ich konnte leben, wie ich es für richtig empfand. Und war plötzlich in mir glücklich und frei. Drei Tage Sonnenschein sowie innen und außen… Darwin war wirklich sehr heiß.

Du kannst es dir jetzt vermutlich denken: das Glück hat meine Neurodermitis wortwörtlich weg gewaschen. Es bestand kein Grund mehr für meinen Körper das innere Leid nach außen zu tragen, denn es existierte nicht mehr. Ich war geheilt!

Jetzt komme ich wohl etwas vorschnell zum Ende, doch Erkenntnisse müssen manchmal nicht lange erklärt werden um die Nachricht klar auszudrücken. Die Essence ist sozusagen: Lebe nach dem, was dich glücklich macht und höre nur auf dein Herz, dann gibt es keinen Schmerz. Natürlich ist es purer Zufall, dass sich das reimt… aber klingt gut oder?

Als ich mir damals selbst sagte: So will ich nicht weiterleben habe ich, ohne es zu wissen, eigentlich meinen Lebensstil gemeint und all die Dinge die ich unfreiwillig tat. Die Neurodermitis war nur das Sprachrohr meiner Seele um mir mein Leid mitzuteilen.

Ich bin sehr dankbar für die Neurodermitis, die ich erfahren habe, da sie ein Warnsignal ist, das mir zeigt wenn ich mir nicht selbst treu bin. Ab und an zeigen sich an bekannten Stellen Ansätze von Neurodermitis. Auch heute noch. Dann fasse ich darauf und spüre in mich hinein, glätte alle Wogen und fülle mein Herz mit lachen… und schwups; spätestens nach zwei Tagen ist es wieder weg. Das klingt für den ein oder anderen vielleicht etwas kitschig, aber würdest du nicht auch alles ausprobieren und tun um gesund und glücklich zu sein? Und wenn es wirkt, dann um so besser!

Ich habe erkannt, dass ich selbst über mein Leben entscheiden kann.
Für mich bedeutet das, mich dazu zu entscheiden, glücklich zu sein.

Wozu entscheidest du dich? Worin wirst du dir ab heute selbst treu sein?

Ist es wie bei mir der freie ungebundene Lebensstil?

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