Was für eine Behauptung. Das ist ja fast, als würde ich behaupten Eiscreme ist scheiße… und ich liebe Eis. Eis ist die großartigste Süßigkeit der Welt. Ok, aber nehmen wir an, dass du eine klitze kleine Zutat im Eis nicht verträgst… zum Beispiel Lactose (auch bekannt als Milchzucker). Wäre Eisessen dann immer noch so cool? Oder wäre zu viel des Guten einfach zu viel?

Wer mir auf Instagram und Facebook folgt der weiß, dass ich das Reisen liebe… und Eiscreme, logisch irgendwie, schließlich bin ich Reisebloggerin. Und meine dato aktuellste Reise, die von zuerst “auf zwei Rädern nach Irland” auf sechs Räder angewachsen ist, verlief… so gar nicht. Wie eine schlechte Eiscreme, die anstatt schön auf der Zunge zu verlaufen, ekelig an den Zähnen fest pappt. Und weil das nie jemand zu glauben scheint, wenn ich von unschönen Zeiten rede, möchte ich hier dem Geschehen “Reise” noch einmal Ausdruck verleihen und warum Reisen auch unglücklich machen kann…

Lass dich nicht verarschen. Reisen ist scheiße, geh nach Hause wenn es Zeit dafür ist!

Mit dieser Einstellung versalzt du dir dein Abenteuer!

Was macht eine Reise, zu einer guten Reise? Gute Frage, nächste Frage. Reisen -wohin auch immer und wie lange auch immer- können unter den beschissensten Voraussetzungen mega geil sein, wenn deine wichtigste Voraussetzung erfüllt ist. Die Hauptzutat ist sozusagen verträglich für deinen Körper und die weniger geilen Inhaltsstoffe halten sich in Grenzen.

Was aber so überhaupt nicht gut geht, ist wenn mehrere für dich unbequeme, aber relevante Eigenschaften zusammen kommen. Wie für mich zum Beispiel Früchteeis mit Himbeersoße. Einfach zu viel von uncoolen Inhaltsstoffen. Und manchmal sind die unguten Zutaten nicht von Beginn an enthalten, sondern kommen Stück für Stück hinzu, ohne das wir es richtig bemerken und dann fühlen wir uns schlagartig beschissen. Normalerweise würde man sofort aufhören zu essen, sobald man ein Unwohlsein bemerkt richtig? Wie sieht das dann bei deinen Reisen aus? Gehst du nach Hause, wenn es Zeit dafür ist, oder ziehst du durch, ganz typisch deutsch nach dem Motto “Durchhalten bis zum Schluss”, obwohl es sich nicht gut anfühlt? Hast du Bedenken, was man wohl von dir als Weltenbummler halten wird, wenn du deine Reise früher als geplant beendest? Folgst du wirklich deinen Bedürfnissen, oder folgst du etwas, von dem du dir wünschen würdest, dass es dein Bedürfnis ist?


>>Da bin ich nun. Mehr oder weniger bereit meine Reise anzutreten. Aus der Fahrradtour wurde mittlerweile eine Fahrrad/Autotour, weil ich ganz ladylike nicht mit dem Gepäck am Fahrrad fahren konnte. Es ist Mitte April und aus irgend einem Grund herrschen noch weihnachtliche Temperaturen. Verlegen muss ich auf den ersten Kilometern mit dem Auto feststellen, dass ich bereits sämtliche Weihnachtslieder heruntergesungen habe… was eigentlich bedeutet nur den Refrain, immer und immer wieder, weil ich mir nie die Texte merken kann.

Es ist so kalt, dass mir bereits bei dem Blick der Temperaturanzeige die Nase läuft. Mir schwant bereits nichts Gutes. Doch die Reise nimmt vorerst ihren Lauf. Zuerst besuchte ich ein paar Freunde aus meiner Kindheit… meine Kindergärtnerin “Roswiti”.

Meine erste Nacht verbrachte ich campend am Waldrand, das war weit entfernt von angenehm warm, was mit dem unpassenden Schlafsack definitiv meine eigene Schuld war.

Meine Zeit verbrachte ich unbewusst damit, auf schöneres Wetter zu warten und redete mir gut zu, wie das fast alle Reisenden tun. “Mach nur weiter, es wird bald besser.” Einige Tage später trudelte ich fröstelig in Belgien ein. Belgien war super. Denn Belgien war wärmer und grün. Man fasst es kaum, aber es war so fantastisch grün und sonnig, dass ich tatsächlich neuen Mut fasste. Es war einer dieser seltenen, besonderen Augenblicke im Leben eines Reisenden, in der du deine Vergangenheit besuchst. In meinem Falle besuchte ich hier meine Freundin Dora. Eine Belgierin, die ich in Australien gefunden und ins Herz geschlossen hatte. Seid über 2 Jahren haben wir uns nicht gesehen und es war göttlich! Nichts hatte sich zwischen uns geändert. Es herrschte noch immer diese Vertrautheit zwischen uns. Kennst du dieses Gefühl? Ich bin der Meinung, dass solche Freundschaften nicht häufig vorkommen, aber sie sind umso interessanter! Meine Allerliebste Dora führte mich also herum und zeigte mir ihr Leben. Dies beinhaltete Erdbeerautomaten und die unglaublich, wunderschöne (Apfel-)Blütezeit in Kortessem.

Blossoming is insane in Belgium 😍 #blossoms #blossomingtree #mindset #bluesky #springiscoming #spider

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Hier also ein paar Voraussetzungs-Kombinationen für eine gelungene Reise…die ich super finde

• Temperaturen ab mediterranem Klima aufwärts, Solo-Reisen, ungeplante Übernachtungen,  eigene Unterkunft in Form eines Campers oder Zeltes, wenig Gepäck. (Diese Faktoren bescherten mir in Australien eine unvergessliche Zeit.)

• Kaltes Klima, Gesellschaft von Freunden, Camper als Unterkunft (es ist immer ein riesen Vorteil flexibel durch ein eigenes Auto zu werden und gleichzeitig eine unabhängige Unterkunft zu haben)

… und was gar nicht zusammen passt.

• Alles kälter als mediterranes Klima OHNE Gesellschaft (also Solotravel) ist total bescheiden, weil man sich nicht gegenseitig aufmuntern kann und emotionale Unterstützung ist sehr wertvoll + einen Camper. So viel unterscheidet sich das nicht von der Kombination oben. Doch ein Faktor verändert alles Grundlegend. Die Temperatur. Ich muss schon über mich selbst Lachen und die eigentlich recht offensichtliche Erkenntnis, für die ich doch etwas mehr Zeit benötigt habe.

Alles ist abhängig davon, wie gut du für dich und deine Gesundheit sorgen kannst und ob die notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Für mich ist das die passende “warme” Temperatur… dachte ich zumindest.

Nach Belgien verschlug es mich nach Paris. Paris ist eine unglaubliche Stadt. Die romantischen Balkone, dschungelartige Dachterrassen, verschnörkelte und prunkvolle Gebäudefassaden. Paris wird umso schöner, je mehr Beachtung man den Details schenkt. Und hier das große ABER. Aber es was recht kalt. Von einer Woche, die ich hier verbrachte, war nur 3 Tage Sonnenschein und ich als Kind der Sonne war recht Ratlos. Selbst die Pariser beäugten das für diese Jahreszeit unübliche Wetter misstrauisch. Immer noch gut zuredend versuchte ich bei Laune zu bleiben. Weil ich mich in Paris verliebt hatte stand für mich am Tag der Abreise fest, dass ich bei schönem Wetter wiederkommen muss!

Ich fuhr also weiter Richtung Norden, denn Irland war noch immer mein Ziel… theoretisch. Die Hafenstadt Dieppe war sehr charmant und die Kreidesteilküste schien wie ein Puzzlestück an Englands Kreide-Steilküste zu passen. Die Nacht vor der 5 Stunden Fährenüberfahrt nach England verbrachte ich im Hafen, während mir die Kälte weiter in die Kleidung kroch. Ich bin mir durchaus bewusst, dass man mit der richtigen Kleidung länger warm bleibt, aber bei einer Frostbeule wie mir ist “länger” eben kürzer als bei manch anderen. 😉

Dieppe an der Nordküste Frankreichs

In Newhaven (England) angekommen erkundigte ich erst einmal die Gegend und für kurze Zeit fühlte ich mich wieder genauso glücklich wie in Australien als Backpacker. Ich fühlte mich wieder in den Linksverkehr ein, ging auf Fossil-jagt an der Kreideküste und genoss das Meeresrauschen in vollen Zügen. Sollte es doch eine schöne Reise werden? Für einen kurzen Moment hatte ich mich fast überzeugen lassen von der rauen Schönheit der Südküste, die ich jetzt schmerzlich vermisse.

Newhaven-Seaford-Fossile suchen

Fossil-suche am Strand von Seaford

Was ich euch auf Instagram gezeigt habe sind zweifellos die schönen Momente meiner Reise. Die stressigen, einsamen, kranken oder ganz einfach langweiligen Augenblicke wollen nur die wenigsten von euch sehen. Kaum einer ist an der Realität interessiert, vielmehr lockt der perfekte Traum. Und andererseits will man die unschönen Momente nicht preisgeben, weil sie so viel privater sind, als die leuchtenden Augenblicke.

Jetzt die Überraschung. Rate, wie lange ich in England blieb! Genau einen Tag und eine Nacht. Nach dem nächsten Kälteschub, hatte ich wutentbrannt und kurzentschlossen abgeblasen und beschlossen nach Hause zu fahren, auf mein Gefühl zu vertrauen und nichts zu erzwingen, was offensichtlich nicht sein soll. Das Dram der letzten Nacht (das ist noch eine ganz andere Geschichte) hatte mich wirklich zu tiefst verärgert und anders wie in Australien, wo ich ganze 8 Monate alleine gereist bin und die “Einsamkeit” genoss, sehnte ich mich jetzt nach konstanter Gesellschaft. Vielleicht liegt es am Land, ob es alleine Spaß macht oder nicht, vielleicht liegt es am eigenen Alter, oder vielleicht war es nur eine Laune von mir. Wer weiß das schon, wenn ich es nicht einmal weiß.

Was ich aber nach all meinen Reisen und vor allem nach dieser Reise verstanden habe ist mir fast so peinlich, wie es offensichtlich ist. Das was dich beim Reisen glücklich macht ist nicht die Reise selbst, sondern deine tiefsten Bedürfnisse zu stillen während du verreist macht glücklich.

Du willst verreisen, weil dein Leben dann so viel besser wäre? Lass dich nicht verarschen von dem was du auf Social Media und in der Werbung siehst! Renne nicht den Trugbildern hinterher, die dir wie Mausefallen vor die Nase gehalten werden. Überlege, was du in deinem Leben brauchst, um dich gesund zu fühlen. Geistig, sowie körperlich. Was möchtest du tun, erreichten, besitzen oder nicht besitzen? Was tust du gerne, was bereitet dir Freude? Spielen Personen darin eine Rolle? Wie viel Komfort benötigst du um das Reisen langfristig genießen zu können und passt Reisen überhaupt mit deinen Wünschen zusammen oder ist es ein Trugbild der Medien, welches du in Wirklichkeit gar nicht begehrst?

Ich habe Freunde. Nicht immer und überall sind diese auch erreichbar. Und ich musste mir klar werden, dass wenn ich Reise, ich nicht die konstanten tiefen Freundschaften haben und mitnehmen kann, die ich benötige um glücklich zu sein. Ich glaube aber, der Tag wird kommen, an dem ich gemeinsam mit Freunden (meiner eigenen Reisecommunity) durch die Welt reise.

Ich sehne mich nach Menschen, die nicht einfach nur Mensch sind, sondern nach Menschen die sich die Zeit nehmen für Gemeinsamkeit. Und je kälter es draußen ist, umso mehr sehne ich mich nach Gemeinschaft… oder auch sozialer Wärme, wenn mal das so nennen will.

Wie heißt es so schön? “Gut Ding braucht Weile.” Der erste Schritt ist getan, ich bin mir meiner Bedürfnisse bewusster geworden. Und was man weiß, kann man erfüllen und erreichen. Weißt du, wonach genau es dich sehnt? Wie kannst du es umsetzen?

Artikel die für dich im Ramen dieser Reise entstanden:

Vielen Dank an dich Matthias, deine Unterstützung war und ist sehr wertvoll für mich!

Intersport Prediger Ilmenau

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