Die vergangenen Tage bin ich immer wieder von Hornsby aus mit dem Zug nach Sydney gefahren um die Stadt zu erkunden. Die Zugfahrt – sehr angenehm, wenn auch langsam – dauerte ca. 45 Minuten. Bei einer so berühmten Stadt wie Sydney erwartet man natürlich einen dementsprechend gigantischen Bahnhof, doch die Größe entsprach wohl eher der des Erfurter Bahnhofes … wenn das jemandem von Euch etwas sagt? Also schon groß, aber unbedeutend zu anderen Bahnhofgrößen. Egal – das soll jetzt nicht das Thema sein.

Es schreit nach Neujahr

Es war der 31. Dezember 2014. Da ich heute Morgen versehentlich wieder eingeschlafen war, ist es bereits 11 Uhr als ich an der Wynyard-Station in Sydney aussteige. Auf den Straßen herrschte reger Betrieb. Whärend der Bahnfahrt hatte ich eine nette Französin kennengelernt – ihr Name ist Anni und sie ist als Au Pair auf Sprachreise -, die das selbe Ziel hatte wie ich: den „Mrs. Maquarie Chair“ in den „Royal Botanical Gardens“, weshalb ich jetzt nicht alleine sondern zu zweit dort hin lief. Es dauerte eine ganze Weile dort an zu kommen bei all den Menschen auf den Straßen. Und es schien, als hätten alle das selbe Ziel … es verbreitete sich das Gefühl eines Wettrennens. UND SYDNEY RANNTE! Wie ich später erfuhr waren hier in den Gärten mehr als 1,2 Mio. Menschen versammelt.

Nach einiger Verwirrtheit fanden wir also das Ende der Kilometer langen Warteschlange – keine Übertreibung – und gesellten uns zu Pavreen einem indischen Freund der Französin, die uns allerdings schnell wieder verließ. Die ganze Situation war schon irgendwie schräg … da verbring ich Silvester mit einem Inder – der nebenbei bemerkt einen ganzen Kopf kleiner war als ich -, den ich durch eine kurze Zugbekanntschaft kennenlernte. Schritt für Schritt und in der prallen Sonne schwitzend kamen wir dem Einlass näher. Überall lief Security herum während wir langsam voran rückten. Wenn du ein paar Tage mehr Zeit hast und Sydney erkunden möchtest, wie wäre es dann mit einem Picknick?

Endlich am Einlass

15 Uhr hatten wir endlich den „Kontrollposten“ erreicht, wo unsere Rucksäcke provisorisch auf Alkohol durchsucht wurden. Alkohol war strikt untersagt und somit auch alle geöffneten Getränke, da man etwas untermischen konnte. Obwohl es am Einlass keinerlei Probleme gab standen wir jetzt vor einem umso größeren. Das Spiel heißt: „Finde einen Sitzplatz, wo keiner ist … mal davon abgesehen, dass man ja auch etwas sehen wollte und bei so vielen Bäumen – was in einem Botanischen Garten nicht ganz so unwahrscheinlich ist – war das schwerer als vermutet! Doch wieder einmal hatte ich Glück und sie hieß Nathalie! Nathalie ist eine deutsche Freundin, die ich auf einem Segeltrip durch die Whitsundays getroffen hatte und wir durften uns zu ihr setzen. Jetzt hatte ich einen Sitzplatz und tolle Gesellschaft … Silvester konnte also beginnen.

Things to do in Sydney, Opera House, Sydney Harbour Bridge

Sydney Harbour

Es gab Show bei der Flugzeuge Loopings flogen

Im freien Fall fielen sie Richtung Wasseroberfläche. Als die Sonne sich verabschiedet hatte fuhren mit Lichterketten behangene Segelschiffe Parade, bis dann kurz vor 21 Uhr die Spannung stieg. Es war Zeit für das erste Feuerwerk. Wir suchten uns einen guten Platz und mussten Durchhaltevermögen beweisen um diesen auch bei zu behalten. Dann die erste Rakete … es war unbeschreiblich. Die Farben … leuchtend … die Stimmung überwältigend. Kurze Stücke habe ich gefilmt, trotzdem waren mein Aufnahmen dem Original nicht gerecht. 10:30 Uhr folgte dann das zweite Feuerwerk. Diesmal stand ich und Pavreen etwas weiter hinten, vor uns hatten sich zwei Riesen aufgebaut und versperrten die Hälfte des Sichtfeldes … dennoch war es genial. Während die bunten Farben der Feuerwerks den Nachthimmel erleuchteten flossen goldene Wasserfälle der Harbour Bridge hinunter – die See schien zu brennen – und immer dann, wenn man vermuten würde es sei vorbei, begann es von neuem. Dummer weise musste ich eines dieser entzückender Dunnys – uns bekannt als Toi Tois – aufsuchen, obwohl ich wusste, dass in eine Stunde das finale Feuerwerk sein würde. Die Schlange war lang und es dauerte eine gefühlte halbe Stunde bin ich an der Reihe war und dann … es war alles gesperrt. Wir kamen nicht zurück zu unseren Standplatz, geschweige denn zu unseren Handtüchern, also mussten wir uns einen andern Platz suchen. Wie Ihr Euch bestimmt vorstellen könnt, war alles besetzt und nur weiter hinten waren noch Lücken zu finden. Aber ok! Ich war sehr gut gelaunt, mir war nicht kalt und da waren immerhin einige Lücken zwischen den Bäumen. Und da war der Countdown … 10 … 5 … 3 … 2 … 1 … und es geschah alles auf einmal. Riesige Feuerwerke … überall. Man wusste gar nicht, wo man zu erst hinsehen sollte. Es war einfach nur bunt und hell. Ich weiß wirklich nicht, wie ich es beschreiben soll, als würde ein Regenbogen die Nacht erhellen. Ein Paar, welches sich neben mich gesetzt hatte lächelte glücklich während sie flüsterten, wie magisch es hier sei … so war es ^^. Und dann war es still. Für einen kurzen Moment nach dem letzten erloschenen Leuchten der letzten Rakete war es mucks mäuschen still. Dann ein tosender Applaus und Gekreische.

Wie ist das nur möglich?

Wir befinden uns jetzt im Jahr 2015. Wie konnte das passieren? Das letzte Jahr war so schnell vergangen, sooo viele neue Eindrücke hatte ich gewonnen und schwups begann ein neues Jahr. Noch halb benebelt von dieser Erkenntnis lief ich Richtung unserer Sitzplätze um Nathalie wieder zu finden. Mit dem Blick auf Sydney, was kaum sichtbar im Nebel der Raketen vor uns lag – darum kämpfend nicht komplett im Dunst zu versinken. Vor uns Die Oper, welche Nachts so viel schöner strahlte als am Tage. Und um uns herum 1,2 Mio. Menschen, die sich jetzt einer nach dem anderen in Bewegung setzten. So trug uns die Masse hinaus auf die überquellenden Straßen Sydneys. Überall kreischende Menschen, ab und an Kinder, die in den Armen der Eltern einschliefen und Großeltern die bei dem Gedrängel versuchten nicht zu stürzen. Dennoch fühlte man sich sehr sicher! Keine befahrenen Straßen. Polizei stand an jeder Ecke – auch wenn das den ein oder andern nicht sicher fühlen lässt =D -, manchmal sogar per Pferd. Sie sperrten die U-Bahnschächte und ließen nur kleine Gruppen zu den Zügen durch um Unfälle und Überfüllung zu vermeiden. Man versuchte Herr der Lage zu werden … mit Erfolg. Ich weiß nicht wie sie das schafften, aber sie bändigten mit viel Geduld und einer ganzen Menge Witz und Humor Millionen von Menschen. Aber offensichtlich gab es keinen, der schlecht gesonnen war, denn es wäre ein leichtes gewesen die Stimmung zu kippen und … . Aber es geschah nichts. Halb zwei war es, als ich im Zug saß … auf meinem Weg zurück zu meinem „Traveler Heim“. Und während sich Silvester bereits anfühlte als sei es in ferner Vergangenheit – meine Familie in Deutschland würde erst in 10 Stunden Neujahr feiern – glitt ich in den Schlaf. Das neue Jahr hatte begonnen und ich war gespannt, was für Abenteuer es für mich bereit halten würde.

lustig aber wahr | 10 Reiseweisheiten aus 11 Monaten Backpacking Austalia

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