Auf der falschen Seite ins Auto steigen, eine erste Begegnung mit Vegemite, die Sydney Oper, Harbour Bridge, meine Gastfamilie und merkwürdige Süßigkeiten, bis hin zum Jetlag. Kulturschock á la Au Pair.

Ankunft in Sydney

Nach einem 23-stündigen Flug erreichte ich Sydney also an einem Freitag Abend, 19 Uhr Ortszeit.
Am Flughafen wartete mein Gastvater auf mich und schon auf den wenigen Metern zum Auto war der Unterschied zu Deutschland mehr als deutlich. Sonnenschein und Palmen (wie man sich Australien eben so vorstellt) ließen mich die ganzen Strapazen im Nu vergessen.

Dass hier am anderen Ende der Welt nicht nur die Jahreszeiten andersherum sind, sondern die Australier, wie die Engländer, auch auf der anderen Seite der Straße fahren, hatte ich kurzfristig wohl vergessen, denn am Auto angekommen, stieg ich gekonnt auf der Fahrerseite ein. Das sei bei jedem so, kommentierte mein Gastvater meine Verwechslung grinsend und schon machten wir uns auf in mein neues Zuhause für die nächsten 3 Monate.

Auf dem Weg überquerten wir mit dem Auto eines der berühmtesten Wahrzeichen der Stadt, die Harbour Bridge, von wo aus ich dann auch das mindestens genau so berühmte Opera House, in mitten Sydneys Hafen, sehen konnte. Das war ein wirklich beeindruckender Anblick, aber ganz realisiert, dass ich hier jetzt erstmal wohnen , arbeiten, leben werde, hatte ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Mein recht spezielles Willkommensgeschenk

Herzlichst wurde ich von meiner Gastfamilie empfangen und komplett überwältigt von all den neuen Eindrücken, wollte ich nur noch glücklich ins Bett fallen und schlafen, doch dem stand etwas, besser gesagt lag etwas im Wege:
Ein Korb voll mit typischem australischen Essen.
Na gut, eigentlich hauptsächlich australische Süßigkeiten und ein Glas des berühmten Vegemite.

Nachdem ich im Laufe der letzten Wochen alles probiert hatte, kann ich folgendes Fazit ziehen: Schmeckt alles eigentlich ganz gut, mit Schokoladen-Gummibärchen und mit Gelee gefüllten Schokoriegeln werde ich mich wohl nicht besonders anfreunden, doch was für mich absolut überhaupt nicht geht ist, wer hätte das gedacht, Vegemite. Dass ich dieses, ich würde es mal indirektes Nationalgericht der Australier nennen, nicht mochte, wunderte jedoch kein einziges Mitglied meiner Gastfamilie, keines ihrer Au Pairs hatte es jemals gemocht.

Das Jetlag fordert seine Aufmerksamkeit

Obwohl ich wirklich müde und erschöpft war, bin ich nachts um halb 3 aufgewacht und konnte erstmal eine Zeit lang nicht mehr einschlafen. Dass dies auf das Jetlag und die Zeitverschiebung (10h ist Sydney Deutschland voraus) zurückzuführen ist, war mir schnell klar, denn viele meiner Freunde, die schon in Australien waren, hatten Ähnliches berichtet.
Nach diesem “Zwischenfall” und einem eher verschlafenen Samstag hatte ich mich erstaunlich schnell an diese neue Zeit gewohnt, konnte durchschlafen und fühlte mich am Sonntag, meinem zweiten Tag in Australien, schon echt fit.
Entscheidend dafür war wohl ein sehr hilfreicher Tipp, den ich euch gerne auch verraten möchte:

Mein Tipp: Noch während ihr am Flughafen von eurem Abflugsort seid oder sobald ihr im Flugzeug seid, stellt eure Uhr (am Handgelenk, im Handy oder Laptop) auf die momentane Ortszeit eures Zielortes um. So gewöhnt sich eure innere Uhr schon während des Fluges (bei dem man sowieso kein Gefühl von Zeit hat) an die neue Uhrzeit und nach der Landung habt ihr dann weniger Probleme damit!

Aber achtet darauf, wenn ihr einen Zwischenstopp habt, dass ihr dann nicht vor lauter Uhrumstellung euren Anschlussflug verpasst, das wäre echt ärgerlich!

Das erste Wochenende habe ich also mit meiner Gastfamilie verbracht. Direkt am Samstag hatte ich meine erste Autofahrt auf der “falschen”, linken Straßenseite mit meinem Gastvater als Fahrlehrer. Sehr ungewohnt das Ganze, jetzt musste ich nicht mehr mit rechts, sondern mit links schalten. Links von mir war jetzt plötzlich “so viel Auto” und im Kreisverkehr (wovon es hier wirklich unzählige gibt!) fährt man hier andersherum. Doch jetzt, nach gut 2 Monaten, kann ich sagen, dass ich mich wirklich schnell daran gewöhnt habe. So sehr, dass mir schon mehrmals schwer gefallen ist, mir vorzustellen wieder auf der rechten Straßenseite zu fahren.

Au Pair trifft Gastfamilie

Und auch meine Gastschwestern lernte ich an diesem Wochenende kennen. Ich war wirklich positiv überrascht, wie unglaublich schnell alle drei Mädchen auf mich zugegangen sind und wie schnell sie eine engere Bindung zu mir aufgebaut haben. Doch bei 5 Au Pairs in den letzten 3 Jahren, die meine Gastfamilie  hatte, haben sie sich wohl daran gewöhnen müssen, dass sich eine ihrer Bezugspersonen immer wieder austauscht. Aber so fühlte ich mich gleich akzeptiert und willkommen in meiner neuen Familie. Für wen das Leben in einer Gastfamilie nicht die erste Wahl ist, kann an Stelle ja über ein Work and Travel-Jahr nachdenken.

Trotzdem war die erste Woche wirklich hart, so viele neue Eindrücke, so viele Sachen, die sich geändert haben, so viele Kleinigkeiten, die man sich merken musste und auch ja nicht vergessen durfte, natürlich eine Sprache, die man zwar sprechen und verstehen konnte, aber mit der (vor allem bei heftigem australischen Akzent) man doch noch kleine Schwierigkeiten hatte, all das gemischt mit einem bisschen Heimweh.

Doch dann, als ich am nächsten Samstag das erste Mal auf eigene Faust über die Harbour Bridge gelaufen bin, ein Touristenselfie vor dem Opera House geschossen und im Botanischen Garten entspannt habe, wusste ich genau, dass es das alles wert war, dass es das war, was ich wirklich wollte.

Bleibt neugierig,

Charlotte

 

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