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Lisa's Reiseblog - GROW as you GO

Amina & Tarek | Die Hürden ägyptischer Liebe *Gastartikel

bezness

Ein schönes Paar – nicht wahr?

Das waren wir! Oder sind wir es noch?

Uns trennen 3.800 km tagtäglich, seit nunmehr 6 Monaten. Das nennt man dann wohl eine Fernbeziehung. Wir sehen uns nicht am Wochenende und auch nicht an jedem Zweiten.

Wenn wir uns das nächste Mal wiedersehen, haben wir uns ca. 10 Monate nicht mehr in den Armen gehalten.

Aber wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?

Der Ein oder Andere mag jetzt auf eine Urlaubsliebe spekulieren….nun, dass stimmt nicht so wirklich. Aber wenn ich hier auch noch die ganze Vorgeschichte erzählen würde, dann wäre mein erstes Buch schon um 100 Seiten mehr gefüllt.

Tarek, so der Name meiner anderen Herzhälfte, habe ich über meine italienische Facebookfreundin Nicoletta kennengelernt. Sie hatte mich gebeten, einem Freund zu helfen Englisch und Deutsch zu lernen.

Naja, irgendwann merkte auch ich, dass das nicht so ganz stimmte. Sie wollte mich einfach verkuppeln auf die gute alte Art und Weise.

Und was soll ich sagen, es hat ziemlich gut geklappt.

Aber die Anfänge waren der reinste Horror. Tarek sprach außer Arabisch eigentlich kein Wort….wie wir die ersten Gespräche online und am Telefon geführt haben ist mir noch heute ein Rätsel.

Aber wir lachten viel zusammen, vielleicht gerade weil wir uns nicht so richtig verstanden und auch nicht alles so ernst nahmen.

Mein Umfeld hingegen nahm alles ziemlich ernst. Ich hatte endlose Auseinandersetzungen mit Freunden, Arbeitgebern und mit meiner Familie!

Aber das hätte ich mir auch alles denken können…

Denn ich bin auf Facebook über ein paar Gruppen gestolpert, wo es um Beziehungen zwischen deutschen Frauen und ägyptischen Männern ging.

Am Anfang habe ich gedacht, was soll daran denn Besonders sein? Dann gelang ich auf Seiten wie 1001Nacht und las zum ersten Mal den Begriff “Bezness”….

Da blieb mir dann erst einmal die Spucke weg!

Ich stellte alles in Frage, alles Gesagte und alles bis dahin Gefühlte.

bezness

Was wollte dieser Mann wirklich von mir?

Ich muss dazu sagen, dass Tarek explizit Nicoletta gebeten hatte uns einander vorzustellen, denn er hatte mich in meinem Urlaub im März vor Ort quasi “ausgesucht”…

Das stimmte mich zusätzlich misstrauisch…. Also stellte ich ihn zur Rede, ganz direkt und gerade heraus. Genauer gesagt, warf ich ihm alles an den Kopf, was ich so im world wide web gefunden hatte. Alles über Bezness und über die Mafia, deutsche Frauen zu heiraten um eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland zu bekommen.

Um es hier mal kurz zu erläutern, das Wort “Bezness” setzt sich zusammen aus Business und Beziehung. Das sollte schon mal Vieles aufklären…

Tarek musste erst einmal einen guten Freund als Dolmetscher an seine Seite holen, da ich so hemmungslos und verbal losschoss, dass er natürlich kein Wort verstand. Auch Nicoletta bombardierte ich mit Anschuldigungen und Fragen….

Mir drehte sich der Kopf….alle erklärten mir die verschiedensten Seiten.

Nur half das nicht wirklich, denn ich wusste nicht mehr wem ich vertrauen konnte.

Also nahm ich mir ein paar Tage Ruhe – für Tarek damals der reinste Albtraum.

Ich versuchte noch mehr zu lesen über die , ja! sehr schlimmen “Geschichten” um dieses Thema. Mir drehte sich manchmal förmlich der Magen um.

Wie gerne hätte ich mich in dieser Zeit mit einer Freundin ausgetauscht, aber in meinem Umfeld stieß ich nur auf Kopfschütteln und Unverständnis.

Sogar meine Chefin nahm mich zur Seite und reichte mir unzählige Seiten aus dem Internet, wo es um diese Art der Mafia ging. Das Frauen verschleppt, zwangsverheiratet und geschlagen werden.

Ich wahr geschockt, zum einen von der Realität dieser Geschichten und zum andren von dem Verhalten meines Umfeldes.

Meine Eltern reisten über Nacht an und machten mir das Leben noch schwerer als es zu diesem Zeitpunkt eh schon war. Es wurde geschrien und viel geweint und es ging viel kaputt!

Am Ende musste ich für mich eine Entscheidung treffen.

Zum ersten Mal musste ich lernen nur auf mich zu hören.

Ich entschied mich zu vertrauen, denn nachdem ich wusste, was passieren konnte, wusste ich auch, wie ich mich schützen konnte und im Notfall vielleicht auch musste….

Wenn ich das hier schreibe und wieder an die Anfänge zurückdenke kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln!

Wie konnte ich nicht der Liebe vertrauen???? Um ein Haar hätte ich das größte Glück meines Lebens weggeworfen ohne es je probiert zu haben!

So ähnlich geht es mir auch heute wieder, wenn ich an die bevorstehenden Reisen denke. Ich habe meinen Job gekündigt und meine Wohnung untervermietet – aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Wenn ihr neugierig seid, dann schaut doch auf meinem Blog vorbei:
www.nubienlovelife.de

Aber wo war ich stehen geblieben? Ja ich vertraute mir selbst und ich vertraute ihm. Also, was tat ich nun?

Ich bat spontan meine Chefs um drei freie Tage, mitten in der Hochsaison. Ich stand bei ihnen im Büro und heulte. Ich war eine 41 jährige Frau, die zum ersten Mal in Ihrem Leben wirklich verliebt war. Verliebt in einen Mann, den ich zuvor nur dreimal kurz aus dem Blickwinkel wahrgenommen hatte….

Ich buchte kurzerhand einen Flug und eine Unterkunft. Dann rief ich meine beste Freundin Uli in Hamburg an, sagte Ihr, dass ich käme um für eine Nacht bei ihr zu übernachten um am nächsten Tag nach Ägypten zu fliegen….

Uli kannte mich nur zu gut, und sie wusste, dass zuhören das Beste war, was sie jetzt für mich tun konnte.

Als sie mich am nächsten Morgen zum Flughafen brachte zitterten mir so sehr die Knie, dass ich schon befürchtete es nicht bis in den Flieger zu schaffen….

Es war der 3. August 2015 und ich war mit den Nerven am Ende!

Am Spätnachmittag landete ich in Hurghada, besorgte mir mein Visum, schnappte mir mein kleines Gepäck und steuerte geradewegs auf die schon wartenden Taxifahrer zu.

Von der Fahrt zu meinem Zielort El Gouna bekam ich nicht viel mit, ich schrieb fleißig Nachrichten und versuchte Tarek zu erreichen – nichts!

So langsam wurde ich unruhig…war es doch ein Fehler hierher zukommen?

Ich bezog mein Quartier, ein süßes kleines Apartment, machte mich kurz frisch und zog dann los in Richtung Down Town, um das Nötigste für die nächsten Tage zu besorgen.

Ich war immer noch ganz aufgeregt, als ich mit dem Tuc Tuc samt Einkäufen wieder zurück war.

Ich nahm zwar kurz das parkende Auto an der Straßenseite wahr, machte mir aber keine weiteren Gedanken.

Kaum hatte ich die Wohnungstür hinter mir geschlossen und die Einkäufe abgestellt, klopfte es an der Tür. Oh Gott….mein Herz raste und ich schwebte wie in Zeitlupe zur Tür…öffnete sie und da stand er. Einen großen Blumenstrauß in der einen Hand und einen Karton in der anderen Hand.

Dann ging er schnurstracks an mir vorbei und legte beides auf dem Couchtisch ab, drehte sich um und nahm mich endlich in den Arm….

Er war viel größer und auch kräftiger, als ich ihn mir von den Fotos her vorgestellt hatte, aber ich fühlte mich von der ersten Sekunde an geborgen

Wir lachten viel und aßen dann die süße klebrige Schokotorte, welche er in dem Karton dabei hatte.

egyptian chocolate cake

Ich hatte 14 Tage zuvor Geburtstag und ich habe mich riesig über die Torte gefreut.

Als wir förmlich am platzen waren kuschelten wir uns auf das kleine schöne Sofa und kamen uns langsam näher…..

Während ich mich in meinem Leben schon mehr als sexuell ausgetobt hatte, war für Tarek alles Neu.

Er hatte noch nie zuvor geküsst und auch noch nie eine Frau berührt, oder gar nackt gesehen.

Oh weh dachte ich mir, das kann ja ein “Spaß” werden.

Aber, was soll ich sagen, das wurde es.

Wir haben uns spielerisch entdeckt, viel gelacht und ausprobiert.

Wir wissen jetzt beide, dass er sehr kitzelige Stellen hat und ich lasse keine Gelegenheit aus ihn immer wieder an diesen zu ärgern….

In dieser unserer ersten Nacht haben wir nicht wirklich geschlafen, wie auch vor lauter Aufregung?!

Am nächsten, unserem ersten gemeinsamen Tag überhaupt sind wir ganz früh zum Sonnenaufgang los, haben die Umgebung erkundet und all seine Freunde besucht. Wir sind zum Sheraton Miramar Hotel gegangen und haben ein paar Stunden am Strand verbracht. Später haben wir ein Boot von einem Freund gechartert und sind ganz weit raus aufs Meer gefahren…nur wir zwei sonst weit und breit niemand.

Es fühlte sich an, als wären wir schon immer zusammen…

Er hatte mir ganz zu beginn unseres “Kennenlernens” mal gesagt, dass er meine Seele spüren kann…und ja, er hatte Recht.

Wenn wir auch nicht viel Sprachen, so fühlten wir einander, es war ganz merkwürdig.

Ich habe in ganz vielen Kleinigkeiten immer wieder gemerkt, wie ähnlich wir uns sind.

Die Tage vergingen wie im Flug und schon saß ich wieder im Flieger nach Hause.

Ich war verliebt, bis über beide Ohren.

Und so glücklich ich auch war, dass er “anders” war als alle befürchteten, und ja, das konnte ich nach der kurzen Zeit bewusst sagen!, so wusste ich auch, dass mich zu Hause nichts Gutes erwartete.

Bei der Arbeit fragte niemand wie es war.

Es ist bis heute wirklich das Schlimmste, dass ich mit kaum einem über alles reden kann. Es gibt eine liebe Kollegin, mit der ich offen über Alles reden kann und natürlich auch mit meiner Freundin Uli aus Hamburg.

Aber mit meinen Eltern liege ich nach wie vor im Klinsch.

Vielleicht hätte ich von vorne herein anders mit dieser “Sache” umgehen sollen.

Hier findest du den 2. Teil Der Heart Talk Serie: Sabrina & Mr. Big | Ortsunabhängigkeit für die Liebe

Wie es nach diesen drei Tagen mit uns weiterging?

Wir schrieben uns mehrmals täglich, telefonierten regelmäßig….sagten uns, dass wir uns liebten.

3 Monate später bin ich wieder zu ihm geflogen, dieses Mal für drei ganze Wochen. Es war schön, wir genossen jeden Tag! Machten lange Spaziergänge, trafen uns mit Freunden, machten Ausflüge. Ich telefonierte mit seiner Mutter und seiner Schwester, natürlich mit Übersetzung von ihm….aber der Videochat konnte nicht lügen….

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Ja, natürlich habe ich alles bezahlt. Ich bin ehrlich, Tarek hat weder einen festen Job noch eine feste eigene Unterkunft. Aber er hat das Herz am rechten Fleck. Und das ist mehr, als ich von vielen Anderen behaupten kann. Er schenkt mir so viel Liebe, Geborgenheit und alles was ich mir noch in meinem Leben wünsche. Nicht das ihr jetzt etwas falsches denkt, wo ihr Euch sicherlich schon über Bezness schlau gelesen habt. Ich habe ihm niemals Geld gegeben und er würde niemals danach fragen.

Tarek ist übrigens Wassermann und 6 Jahre jünger als ich, also für mich alles im Rahmen.

Für mich war es wie ein ganz normaler gemeinsamer Urlaub, so wie ihn viele Paare dieser Welt miteinander verbringen. Für mich spielt Geld in diesem Fall keine übergeordnete Rolle.

Als ich kurz vor Weihnachten wieder abreiste wussten wir beide, das ein Wiedersehen nicht zu lange dauern würde…und so reiste ich bereits drei Wochen später wieder runter zu ihm und blieb erneut ganze 5 Wochen.

Ob wir uns nie gestritten haben?

Lach! Und ob wir uns gestritten haben, mehrmals! Mit Tränen auf beiden Seiten…

Ja, ganz recht er kann weinen und wie! Er schämte sich ganz oft, weil er viele Dinge nicht wusste. Zum Beispiel, wie man mit Messer und Gabel isst, oder das man nicht vom Tisch aufsteht, wenn nicht alle fertig mit essen sind. – Ich weiß noch, wie geschockt ich war, als er einfach vom Tisch aufstand und mich einfach sitzen ließ… ….später konnten wir darüber nur noch lachen…. Es machte ihn mir noch viel sympathischer….

Wir redeten viel und viel über die Zukunft….Ich malte sie in schillernden Farben und damals tat er dies auch noch….

Er sagte immer wieder wie schön es wäre hier an seiner Seite zu leben, oder egal wo, Hauptsache zusammen…

Es klang alles so einfach….und meine rosarote Brille wurde von Tag zu Tag strahlender….

Der Abschied nach 5 Wochen war die Hölle, für uns beide.

Ich kann mich nicht erinnern jemals so geweint zu haben, es war wahrlich filmreif.

Wir fuhren in unserem alten Buick gen Hurghada zum Flughafen. Ich fühlte mit jedem gefahrenen Meter die Tränen und die Wut in mir aufsteigen, der schwere Kloß wanderte in meiner Kehle Stück für Stück nach oben – dann brach es aus mir raus…

“Honey please stop the car! Honey please stop…stop!” Ich schrie förmlich unter Tränen….

Dann schaute ich zu ihm rüber und sein Gesicht war ganz verkrampft, und schließlich brach es aus ihm heraus…er fing heftig an zu zittern und zu weinen… Ich streckte meine Hand zum Zündschlüssel….und wir stoppten den Wagen…nahmen uns heftig in den Arm und weinten – hemmungslos….

Oh Gott es war der schlimmste Abschied meines Lebens….es tat weh im Herzen in der Brust in der Kehle, alles tat weh und ich weinte und weinte….

Es dauerte eine ganze Weile, bis wir uns beruhigt hatten.

Am Flughafen konnten wir einander kaum loslassen, wir hatten Angst uns umzudrehen, taten es aber dennoch….keine gute Idee…..

Es war ein Abschied für lange lange Zeit.

Die Zeit die dann begann war & ist für uns beide die Hölle.

Ich stürzte mich in die Arbeit und lenkte mich nebenbei noch so gut ab wie es ging. Wir telefonierten ab und zu, aber nicht mehr so häufig…

Mein Wunsch bei ihm zu sein wuchs von Tag zu Tag. Und ich überlegte ständig, wie ich das in die Tat umsetzen konnte.

Ich stieß auf diverse Blogs und beschloss meinen Eigenen zu bauen um für den Fall, dass ich nach Ägypten auswanderte wenigstens ein Sprachrohr nach außen hatte.

Der Blog ist seither mein Wegbegleiter für meine Gefühlswelt, hier rede ich quasi mit mir selbst, mache meinen Gedanken und Ängsten Luft….

Was aus Tarek und mir geworden ist?

Wir wissen es beide nicht. Die politische Situation in der Welt macht es nicht einfacher… In Ägypten haben mittlerweile 600.000 Hotelangestellt ihre Jobs verloren. 40 % und mehr aller Hotels sind geschlossen. Es gibt keinerlei Sozialabsicherung oder ähnliches in Ägypten.

Irgendwann war seine Stimmung so weit im Keller, dass er sagte “Please don’t come here! Try to take care about yourself..without me your life is better!”

Ich war wie vor den Kopf geschlagen….ich konnte ihm nicht klar machen, dass ich alles versuche um uns eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Das ich versuche irgendeinen Weg zu finden…. Welchen, ich weiß es manchmal selbst nicht mehr…

Hat das “Wir” oder hat gar die Liebe den Kampf gegen die Gesellschaft verloren?

Wir haben uns eine “Auszeit” genommen. Wir werden uns im Dezember wieder sehen….was dann sein wird, weiß keiner von uns. Aber wir leiden beide jeden einzelnen Tag. Ich kann seine Schmerzen genauso fühlen, wie er meine Machtlosigkeit….

Wir sind Seelenverwandt, soviel steht fest. Wir werden immer einander folgen – und wenn es nur im Herzen ist.

Wenn ich mir eine gemeinsame Zukunft mit Ihm wünschen dürfte, dann würden wir zusammen leben. Wir würden im Regen tanzen, uns im Schnee wälzen und auf Wiesen liegen. Wir würden unter Sternen träumen und in den Armen des andren einschlafen….jeden Tag!

Denn genauso sollte das Leben sein – für jeden von uns!

Das Kennenlernen mit Tarek hat mir den wahren Sinn des Lebens gezeigt – er hat mir gezeigt, was Liebe bedeutet…. und er hat mir gezeigt, dass man Kämpfen muss! Für seine Träume und für seine Zukunft. Ich versuche für Zwei zu kämpfen…und ich werde immer stärker….

Ich bin Ihm dankbar bis ans Ende meiner Tage….und wir werden uns wiedersehen. Das kann ich mit Sicherheit sagen….

Tarek honey – you are the love of my life now and forever ….

you pay my life and I give you love?

Hier findest du den 2. Teil Der Heart Talk Serie: Sabrina & Mr. Big | Ortsunabhängigkeit für die Liebe

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    2016-08-15 at

    Eine schöne Geschichte <3.

    Es lohnt sich zu kämpfen! Alles Gute!

    VG

    Sabrina

  2. Hallo Sabrina….ganz lieben Dank für Deine Worte & ja, ich kämpfe, mehr denn je!

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